Anonymes Filesharing
1. Teil: Funktion
In letzter Zeit hört man immer mehr von Abmahnungen und Geldstrafen der Musikindustrie bzw. deren beauftragten Anwälte.
Oft werden als “Lösung” dieses Problems nur 2 Alternativen genannt. Entweder aufhören Filesharing zu betreiben, oder aber auf eine anonyme Alternative umsteigen.
Doch was sind denn anonyme Filesharingprogramme? Hier zitiere ich einfach mal Wikipedia:
“Neben den dezentralen P2P-Systemen gibt es auch noch neuere, die alle übertragenen Daten verschlüsseln und über Umwege an ihr Ziel leiten. Es funktioniert nach dem Muster: Petra gibt die Datei an Paul, Paul an Oliver, Oliver an Anna. Petra und Anna lernen sich also nie kennen und sind geschützt. Es werden oft auch virtuelle IP-Adressen benutzt anstelle von IP-Adressen. Zusätzlich werden alle Transfers noch verschlüsselt, so dass selbst der Netzwerkadministrator des Internet-Providers und DSL-Anbieters nicht sehen kann, was an wen geschickt wurde. [...]“
Es wird hier bereits schon erklärt, wie einige dieser Programme funktionieren. Sie haben ein sogenanntes “non-direct” (engl. “nicht-direkt”) System. So wird Sicherheit für die User gewährt, da Daten generell verschlüsselt sind und nie von A nach B geschickt werden. Sie werden zuvor immer über X Nebenknoten geleitet.
Der wahre Unterschied liegt hier in der Tatsache, dass Otto und Hans sich nie kennenlernen! Zwar will Otto die Datei haben, aber die Datei wird nicht, wie etwa bei anderen Systemen einfach übertragen, sondern zuerst über Petra und Sven weitergeleitet. Jeder “Knoten” in dieser Kette kennt jeweils nur seinen Nachbar! So kann niemand nachvollziehen wer wann und vorallem was an wen geschickt hat.
Ich muss dazu sagen, das nicht alle anonymen Systeme so funktionieren. Es gibt durchaus Systeme die anders (z.b. durch Verschlüsselung) eine gewisse Anonymität erreichen.
2. Teil: Nachteile
Immer wird über anonymes Filesharing geredet, doch wenn es so toll und anonym (und dadurch ja sicher) ist, warum benutzt es dann nur ein minimaler Teil der Filesharer?
Anonymes Filesharing hat im Gegenteil zu den etablierten Netzen 2 gravierende Nachteile. Zuerst wäre da die Anzahl der verfügbaren Dateien zu nennen. Schließlich ist der Reichtum an Dateien im Emule-Netz ja nur der hohen Anzahl Nutzer zu verdanken! Wenn aber nur wenige Leute ein anonymes Netz benutzen, dann ist ja klar, dass es weniger Dateien und damit Suchergebnisse gibt. So etwas schreckt ab, schließlich will man schon das haben, was man auch sucht. Und in anonymen Netzwerken geht das eben meistens nicht.
Zum Zweiten wäre da noch – und das ist sicher der Hauptgrund – die Geschwindigkeit zu nennen. Bei Emule, Bittorrent und Co. hat man (bei richtiger Einstellung und Konfiguration der Firewall und des Clients) nach kurzer Zeit meist Geschwindigkeiten von über 50 KB/s. Auf Bittorrent ALT’s kann sich diese Geschwindigkeit steigern, dort wird die Geschwindigkeit meist nur durch die Bandbreite des Users beschränkt. In anonymen Netzen kann man davon nur träumen (zumindest in fast allen). Geschwindigkeiten im einstelligen KB/s Bereich sind hier üblich. Warum das so ist, liegt auf der Hand. Wenig Benutzer -> Wenig Quellen -> Geringe Geschwindigkeit. Abgesehen davon entstehen oft “Bremsen” durch die Umleitung über mehrere Knoten. Hier ist die erreichte Geschwindigkeit immer nur so groß, wie geringste Bandbreite eines Knotens in der Kette.

In dieser Grafik habe ich das mal versucht darzustellen. Die Datei wird von Links nach rechts verschickt. Max ist hierbei die Quelle, Lena die Empfängerin. Die Datei wird über 2 Knoten geleitet, nämlich Tim und Paul. Obwohl die Datei theoretisch mt 90 KB/s geschickt werden könnte, wird sie nur mit 30 gesendet, da Paul nur eine Bandbreite von 30 hat. Dies ist sogar noch ein optimierter Fall, da Paul ja auch noch andere Dinge mit seinem Computer anstellt und dadurch auch Bandbreite verbraucht. Daraus folgen noch geringere Geschwindigkeiten. (30 KB/s wäre eingentlich schon schnell).
3. Teil: Das Netz im Netz
Bevor wir zu den einzelnen Netzen kommen, will ich noch eine andere Art des anonymen Netzes vorstellen, nein, ehrlich gesagt sind es 4. Tor, I2P, JAP und Freenet. Tatsächlich sind das nicht alle Netze, die auf diese Art funktionieren, aber es sind die 3 größten. Nun, warum Netz im Netz?
I2P und Freenet funktionieren ähnlich wie das uns bekannte Internet. Mit dem Unterschied, dass es eigene Netze sind, will heißen, wenn jemand eine Website im Freenet abruft, dann kommt diese auch aus dem Freenet und nicht aus dem uns bekannten Internet. So kann man innerhalb des Freenets nur auf Daten des Freenets zugreifen, was wiederrum anonym über Nebenknoten, etc. geschieht. Doch wie gelangt Freenet an diese Daten? Da bedient es sich des “richtigen” Internets. Es schickt die Daten/Anfragen/etc. also alle über das normale Internet aber ist dennoch ein “Netz im Netz”. Um zu garantieren, das Daten immer verfügbar sind – insbesondere für den Fall, dass das Land, in dem der Server der betroffenen Daten steht, den Server offline nimmt – bedient sich Freenet einer einfachen aber effektiven Methode. Alle Daten werden einfach überall gespeichert. Jeder Client kann Speicher auf seiner Platte freigeben, der dann per Zufall mit den verschiedensten Daten aus dem Freenet gefüllt wird.
Freenet ist außerdem Open Source.
Wikipedia sagt dazu:
Während Freenet einerseits unterdrückten Menschen ermöglicht, sich mit anderen frei auszutauschen, ermöglicht es andererseits auch die Verbreitung und den Zugang zu kontroversen Informationen und Inhalten, die in manchen Staaten illegal sind.
Die Argumentation der Befürworter Freenets gestaltet sich wie folgt:
- Wissen ermöglicht es, bessere Entscheidungen zu treffen. Demokratie geht von einer gut informierten Bevölkerung aus. Damit die Demokratie effektiv bleibt, darf also der Informationsfluss nicht kontrolliert werden.
- Trotz eventueller positiver Aspekte von Zensur darf diese nicht ermöglicht werden, da diejenigen, die „gute“ Zensur ausüben können, wenn notwendig auch „schlechte“ Zensur ausüben können. Ferner kann sogar „gute“ Zensur kontraproduktiv sein, denn Überzeugung ist ohne die Widerlegung von Gegenargumenten weniger effektiv.
- Anonymität ist wichtig, da Meinungsfreiheit ohne die Möglichkeit der Anonymität nicht bestehen kann. Meinungsträger könnten sonst hinterher bestraft werden. Durch elektronische Unterschriften kann auch anonymen Informationen vertraut werden.
Klare Vorteile, interessante Sache, aber leider nicht fürs Filesharing geeignet. Aber eine Erwähnung sollte es wert sein.
I2P ist ein weiteres Netz im Netz. Mit dem Unterschied, dass es für Filesharing geeignet ist, auch wenn es laut den Entwicklern in der aktuellen Beta-Phase noch nicht den angestrebten Grad an Anonymität bietet. Filesharing Clients, die auf I2P setzen sind z.b. I2PRufus (Bittorrent), I2Phex (Gnutella) sowie iMule. Außerdem bietet der bekannte Bittorrent Client Azureus eine I2P Funktion. Hierbei zu beachten ist, dass die Clients immer nur Daten mit anderen Clients im I2P Netz austauschen. Daraus folgt natürlich weniger Quellen und weniger Geschwindkeit, sowie weniger Suchergebnisse.
Kommen wir nun zu Tor und JAP. Tor steht für “The Onion Router”, wobei sich da keiner so sicher ist warum und wieso und ob überhaupt
JAP ist die Abkürzung für “Java Anon Proxy”. Beide funktionieren nach dem selben Prinzip, sie bilden ein Netz aus Proxy-Servern, welche den Verkehr einfach umleiten. So ist jede Anfrage anonymisiert, aber trotzdem aus dem “realen” Internet. Bei Tor geht der Traffic z.b. immer über mindestens 3 Server. Trotz dieser Umwege und der kostenlosen Benutzung ist Tor relativ schnell. Es eignet sich herrvorragend für alle Programme, man muss einfach nur einen lokalen Proxy einstellen und schon läuft alles über Tor. Für Firefox existiert zusätzlich ein Addon, TorButton, welches die schnelle und bequeme Umschaltung zwischen Tor und nicht Tor ermöglicht. Für Filesharing ist es nur bedingt geeignet, da die Server solchen Traffic zu blockieren versuchen. Außerdem ist die Idee dahinter auch nicht für Filesharing ausgelegt, so dass ich die Benutzung von Tor nicht für Filesharing empfehle, ja sie sogar ablehne.
JAP ist eigentlich genau das selbe wie Tor. Geringe Unterschiede sind natürlich vorhanden, z.b. dass man für schnellere Server zahlen muss. Dennoch ein gutes Programm, läuft stabil. Trotzdem verwende ich es nicht, da ich mit Tor zufrieden bin. Ob und wie man JAP für Filesharing benutzen kann, weiß ich nicht, da ich es nie ausprobiert habe. Jedoch schätze ich dass die Benutzung, ähnlich wie bei Tor, nicht zufriedenstellend ist.

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